Vier Verletzten-Tragen

four stretcher for the wounded

Für den Transport von Verwundeten befanden sich auf den US-Kampfschiffen stets mehrere Verletzten-Tragen, bei der Größe eines Zerstörers etwa vier Stück. Sie hängen griffbereit an den Wänden der Deckshäuser oder auch an den Innenseiten von Schanzkleidern. Die Schwierigkeit beim Modellnachbau besteht in der richtigen Dimension der "Maschendraht"-Schale, welche in einem Stahlrohr-Rahmen hängt. Diese Schale lasse ich als paßgenaue Abwicklung aus dünner Kupferfolie von einem guten Hobby-Freund ätzen. Die Maschenweite beträgt dabei nur 1 mm im M 1:50. Um diese Schale zu formen und auch als Schale zusammenzulöten, braucht es einen exakten "Formkörper" aus Hartpapier (Novotex). Hartgewebe (Pertinax) läßt sich nicht so schön maßhaltig fräsen.

(alle kleinen Fotos anklicken) Dieses Original-Foto zeigt eine solche Trage angehängt an der Deckshauswand vom mittleren Deckshaus. Das recht feine Drahtgewebe ist hier gerade noch zu erkennen. Oben sieht man die Ausstoß-Öffnungen vom hinteren Torpedo-Fünfling. Die ausragenden Torpedo-Köpfe sind gelb gestrichen. Die vordersten Stücke der Rohrmündungen sind nach hinten geklappt (am oberen Bildrand).

In erster Linie nach dem eben gezeigten Foto habe ich meine 10:1-Vergrößerungszeichnung angefertigt. Dabei habe ich übersehen, daß die untere "Gleitschiene" im Kopfbereich der Trage anders aussieht. Nachträglich habe ich die richtige Form mit zwei dicken Linien in meine Zeichnung eingefügt. Der Rahmen wird später aus 0,4- und 0,3-mm-Kupfer- oder Messingdraht gebogen und zusammengelötet. Die Trage liegt in der Zeichnung "kieloben".

Zuerst mußte ich einen Formkörper aus Novotex fräsen. Für die Einhaltung aller Winkel daran, geht das richtig exakt nur auf dem Rundtisch. Allein deshalb, weil nicht umgespannt werden muß.  Ein ausreichend großes Materialstück wird in der 0-Grad-Stellung des Rundtisches in etwa ausgerichtet und zuerst wird die obere Fläche leicht überfräst sowie der Höhensupport so "genullt".

Der Fräser wird von da an 4,6 mm herabgesenkt (herabgeschoben! bei leicht geklemmter Schwalbenschwanzführung) und die geforderte Breite von 11,2 mm wird auf Umschlag (!) gefräst.

Das Gleiche mit der Länge von 41,2 mm.

Am Kopfende werden 45°-Schrägen angefräst...

...und am Fußende 11,3 mm lange Schrägen unter 14°. Diese Winkelverstellungen lassen sich mit dem Rundtisch sehr exakt einstellen, daher die Arbeit auf dem Rundtisch! Bei all diesen Fräsungen der Außenkonturen bleibt die "Höhe" des Fräsers stehen, sodaß rundum die Höhe 4,6 mm gleich ist.

Der Fräskopf wird 20° schräg gestellt und so werden die beiden parallelen Längsseiten, die 45°-Kanten und die 14°-Schrägen 20° schräg angearbeitet.

Beide Stirnseiten werden anschließend unter 30°-Verstellung des Fräskopfes angeschrägt.

Der fertige Formkörper, er sieht nicht nach einer klassischen Rundtischarbeit aus, doch es geht nur so sehr genau! Viele solcher Arbeiten macht man am besten auf dem Rundtisch der Fräsmaschine. Bei mir gang und gäbe!

 Mit der Herstellung eines geätzten Gitterwerkes für das Beplanken des Formkörpers gibt es Probleme. Mein guter Freund Witali hat nun per CAD-Zeichenprogramm (Programm Netfabb) den (Rohr-)Grundrahmen konstruiert (Danke Witali !) und diese Datei haben wir bei einer niederländischen Firma ( www.shapeways.com ) zuerst nur einmal zur Probe aus Plaste 3D-drucken lassen. Ich hätte die Stäbe gern Ø 0,4 mm gehabt, doch das läßt sich nicht drucken, der kleinste machbare Durchmesser ist 0,6 mm, das wären 30-mm-Rohre beim Original, etwas zu dick, naja, man kann nicht alles haben... Diesen Knallkörper aus Draht zu löten, hätte ich mich doch sehr schwer getan, etliche Lötvorrichtungen!

 Nach neueren Informationen der genannten Firma sind Rund-Drahtstärken von 0,44 mm doch möglich. Die Durchmesser hat Witali nun von 0,6 auf 0,44 mm geändert. In dieser Form haben wir nun sechs Stück bestellt, ich warte im Moment darauf. Und bespannt wird sie danach von außen nicht mit Ätzgitter sondern mit Papiergitterwerk in Sechskant-Bienenwabenform (ist ebenfalls schon in Arbeit), welches ein anderer Freund (gut, daß man für jeden Zweck gute Freunde hat !) hauchfein mit dem Laserstrahl schneidet...

 Der "Wäschekorb" kam vom Hersteller anhängend an einer Platte mit vier Füßen. Im Foto erkennt man die Reste der Füße noch. An dieser Platte habe ich heute einen Klebeversuch gemacht. Eine Papierecke habe ich mit UV-Kleber (M10310/Mediashop AG) angeklebt, hält super, löst die Plaste(?) nicht an! Die breiteste Fläche an dem Gebilde ist der Boden vom knapp 8 mm Breite. Ich werde mir eine kleine Rolle, ähnlich einem Farbroller, anfertigen, vllt. 10 mm breit und Ø 12 mit einem Gabelgriff. Auf eine ebene Fläche gebe ich einen kleinen Tropfen des UV-Klebers. Dann rolle ich diesen Roller mehrfach über diesen Tropfen, sodaß er rundum hauchdünn (!) und gleichmäßig mit dem Kleber benetzt wird, er trocknet ja nicht. Dann kann ich diesen Kleber extrem dünn auf die Stäbe aufrollen, weder zu viel noch zu wenig. Und dann die zurechtgeschnittenen Papiergitter (noch mit etwas Überstand) darauf fallen lassen, vllt. noch leicht mit einem Pinsel andrücken und dann mit UV-Licht bestrahlen. Ich denke, daß es so geht. Der Preis für den Probedruck (die zwei Fotos oben) hält sich in Grenzen: etwas über € 4,-, der Versand ist mit € 5,und zerkrümelte teuerer!

 Das sind die Einzelteile der Kleberrolle.

Eine 1-mm-Achse wird eingeklebt (UV-Kleber).

 Sechs Rahmen für die Verletzten-Tragen, im 3D-Druck hergestellt, sind angekommen. Im Gegensatz zum Druck vier Fotos weiter oben, ist die "Drahtstärke" diesmal nur 0,44 mm. Mit bloßem Auge kann man die Schichten-Riffelung nicht sehen, nur unter dem Mikroskop.

Schon längere Zeit habe ich eine Plast-Gaze in meiner "Sammlung" (natürlich sammle auch ich Dinge des Alltags, die man irgendwie und irgendwann einmal verwenden kann). Die Maschenweite beträgt fast genau 1 mm (10 gemessen, durch 10 geteilt). Mit bloßem Auge hat man den Eindruck, daß es ein gegossenes Gitterwerk ist.

Erst bei extremer Nah-Fotografie erkennt man, daß jede Schnur eigentlich zwei Schnüre sind, welche in einem komplizierten (Maschinen-)Geflecht zu einem leicht rhombusartigen Netz verwoben sind, gute Bedingung für sicheres Kleben. Ich warte nun noch auf das mit dem Laserstrahl geschnittene Papiergitter in Sechseck-Wabenform (lichte Weite der Sechsecke 0,7 bis 0,8 mm) und dann entscheide ich mich, welches Gitter ich benutze...

 019

zurück/back  |  home